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Willkommen Zuhause, Fritz Keller

Wochenlang machte der Winzer und Gastronom Fritz Keller aus dem badischen Oberbergen Schlagzeilen in seiner Funktion als Präsident des DFB, weil er seinen Vize unüberlegt und wohl sehr spontan mit einem berüchtigten Nazi-Richter verglich. Das führte letztlich zu seinem Rücktritt a


ls Verbandsboss. Jetzt kann man dem ehrenwerten Badener nur zurufen: Herzlich willkommen Zuhause.


Früher als Winzer hatte er es mit echten und falschem Mehltau, Botrytis, Schwarzfäule und einer Krankheit wie Esca zu tun, die alte Reben absterben lässt. Als Fritz Keller, lange Zeit als nebenberuflicher Präsident des SC Freiburg überaus erfolgreich, sich dazu überreden ließ, das Amt des Präsidenten beim Deutschen Fußballbund zu übernehmen, ahnte er nicht, dass dieser Verein an der Spitze von ganz anderen Schädlingen befallen ist und hier sogar so etwas wie die Reblaus fröhliche Urstände feiert.

Als erfahrener Unternehmer, der auch hinter Kulissen schauen kann, wurde Keller offenbar auf einige Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten aufmerksam. Aufklärung war nicht möglich. Auskünfte dazu wurden ihm verweigert. An der Verbandsspitze stand er allein gegen drei „Rebläuse“, seinen Vize, den Generalsekretär und Schatzmeister. Die beiden Letztgenannten dürfen sich jetzt auch verabschieden, nur der Vizepräsident namens Koch darf noch gut ein halbes Jahr sein Süppchen weiter kochen. Warum Keller in einer der wohl häufigeren Diskussionen der Name „Freisler“ herausrutschte, ist eine Frage, über die nur Vermutungen angestellt werden können.

Wenn wir Ursachenforschung betreiben, landen wir bei der Methode des Nazi-Richters, der seine Urteile schon geschrieben hatte, bevor die Gerichtsverhandlung begann und den Verurteilten kein Recht auf Verteidigung einräumte. Es passt ins Bild, dass der Büroleiter von Fritz Keller fristlos gekündigt wurde, weil er vermutlich für seinen Chef Dokumente besorgt hatte, die einen Blick hinter DFB-Kulissen gestattet hätten. Es gab vorher keine Rücksprache mit Keller. Der Büroleiter hat anders als die von Freisler Verurteilten zwar die Möglichkeit, gegen die Fristlose zu klagen. Aber sowohl ihm als auch seinem Anwalt wurde offenbar eine Stellungnahme verweigert. Da platzte dann Keller wohl der Kragen. Vielleicht hatte er dabei auch im Hinterkopf, dass es schon mal im Jahr 2015 einen ähnlichen Fall beim DFB gab, als der langjährige Vizepräsident fristlos gefeuert wurde. Vor dem Arbeitsgericht musste der Verband klein begeben und die Einigung teuer siebenstellig bezahlen.

Kellers offizieller Rücktritt am Montag, 17. Mai wurde begleitet von deutlichen Worten über die Zustände beim DFB. Bedauert wurde das auch vom Präsidenten der Weinelf Deutschland, Robert Lönarz. Fritz Keller ist hier passives Mitglied (Rückennummer 66). „Wir bedanken uns ausdrücklich für die ambitionierte Arbeit für den deutschen Fußball“, meint der Weinelf-Präsident. „Mit seiner freundlichen Art und großen Ehrlichkeit war er auf einem sehr guten Weg, Profi- und Freizeitfußball zu verbinden.“

Es ist zu hoffen, dass sich der Badener allmählich wieder darauf freut, seinen Lieblingsbeschäftigungen nachgehen zu können: die Gäste im „Schwarzer Adler“ zu begrüßen und mit ihnen zu plaudern, mit Sommeliere Melanie zu überlegen, welche Weine zum Menü passen oder mit Junior Friedrich im Keller aus dem Fass zu probieren. Und dann ist da auch noch Gattin Bettina, die Winzer Joachim Heger bei Kellers 60. Geburtstag 2017 als „Fels in der Keller-Brandung“ bezeichnete. Einen solchen Felsen kann der Fritz die nächste Zeit brauchen.

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