Fußball-Kulturpreise in Nürnberg:Die Weinelf und die Kicker-Promis

Foto: Woody T. Herner, Rheingauer Filmagentur

Um 22.30 Uhr ging es für das Weinelf-Team am 26. Oktober 2018 in der Tafelhalle in Nürnberg richtig los. Teilweise wurde beidhändig eingeschenkt, um den Gästen nach Abschluss einer besonderen Veranstaltung den deutschen Wein nahe zu bringen. Seit 2006 verleiht die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur die deutschen Fußball-Kulturpreise in fünf Kategorien. Die Stadt Nürnberg ist ein Träger dieser Akademie, ebenso das bereits 1920 ins Leben gerufene Kicker-Sportmagazin (Sitz Nürnberg). Sponsoren tragen zu einem Rahmen bei, der deutlich zivilisierter ist als so manches von Chaoten gestörter Spiel im Stadion. Hier geht es darum, Fußball als gesellschaftliches und kulturelles Phänomen wahrzunehmen.

Man will die unterschiedlichen Facetten und Auswirkungen dieser Sportart deutlich machen und auch darauf verweisen, dass Fußball soziale Projekte voranbringen kann. Was bekanntlich auch die Weinelf tut. Deshalb ist die Nationalmannschaft der Winzer seit 2011 eingebunden in die Verleihung der Kulturpreise durch einen eifrig besuchten Weinausschank bei der After-Show-Party. Im Programm ist die Weinelf aufgeführt. Gastgeber Dr. Ulrich Maly, der Oberbürgermeister von Nürnberg begrüßte „das Team der Weinelf Deutschland und die Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner“ hochoffiziell auf der Bühne.

Begonnen hatte alles damit, dass Präsident Robert Lönarz 2010 einfach mal zur Veranstaltung nach Nürnberg reiste, dort mit dem Weinelf-Sakko auffiel, mit Verantwortlichen ins Gespräch kam und dabei festgestellt wurde, dass Kulturgut Wein und Kulturpreis Fußball gut zusammenpassen. Vor der Arbeit war für das Weinelf-Team Vergnügen angesagt. Man erlebte ein munteres, von Katrin Müller-Hohenstein (ZDF) flott und charmant moderiertes Programm, in dem ein paar Wermutstropfen mit einem kleinen Rückblick auf die WM ausgeschenkt wurden. Aber man konnte sich auch mit den Preisträgern in fünf Disziplinen freuen. Als da waren 

• das bemerkenswerte, inhaltsreiche Fußballbuch des Jahres von Christian Eichler, „90 - oder die ganze Geschichte des Fußballs in 90 Spielen“);

• der Fanpreis des Jahres für den aufwändig erstellten Fußball-Podcast „Rasenfunk“, hauptsächlich verantwortlich Max Jacob Ost, der an Wochenenden dafür alle Bundesligaspiele anschaut und daraus einen Extrakt erarbeitet.

• der Fußballspruch des Jahres, den Thomas Hitzelsperger bei der WM als Kommentator von sich gab: „Die Schweden sind wie die Mitdreißiger in der Disco: Hinten reinstellen und warten, ob sich was ergibt.“

• der Fußball-Bildungspreis für die Wuppertaler Uni für „Kick mit Physik“, die Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren damit vertraut macht, wie Bananenflanken und besondere Fallrückzieher entstehen und was sie bewirken können. 

• Höhepunkt war schließlich der Walther Bensemann-Preis, gewidmet dem einstigen Gründer des „Kicker“ und einem der Pioniere des Fußballs in Deutschland (dem in der Nazizeit wegen seiner jüdischen Herkunft übel mitgespielt wurde; er verstarb 1934 im Schweizer Exil). Bisherigen Preisträgern wie Franz Beckenbauer, Günter Netzer, Uwe Seeler, Ottmar Hitzfeld und Alex Ferguson folgte Ex-Nationalspieler und Noch-Trainer der Frauen-Fußballnationalmannschaft Horst Hrubesch. Quasi ihm zu Ehren trug Moderatorin Müller-Hohenstein ein bananenfarbenes Kleid, weil das einstige Kopfballungeheuer oft in seiner erfolgreichen Zeit von den Bananenflanken von Manni Kaltz profitierte. So entstand der Spruch „Manni, Banane, Kopf, Tor“. Hrubesch, der zum Jahresende seine Trainer-Laufbahn definitiv beendet und dann erst mal mit seiner Gattin einige Monate auf Weltreise geht, entpuppte sich als bescheidender Sympathieträger mit einem trockenen Humor, der ihn sogar überstehen ließ, wie Ehrengast Günter Netzer sein erstes Spiel für den Hamburger Sportverein nach seiner Verpflichtung durch ihn als Manager kommentierte. „Der war so schlecht, dass ich mich zu Boden geschämt habe.“ Aber dann kam man gemeinsam auf die Bananenflanke…

Beide sah man hinterher auch am WEINELF-Stand. Die Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner aus Vaihingen/Enz (Württemberg) plauderte mit Hrubesch und Netzer über Wein sowie ihr Amt und konnte Feinschmecker Netzer Riesling kredenzen. Sie ergänzte mit ihrem Temperament das WEINELF-Team so gut, dass ihr von der Vorstandschaft eine Mitgliedschaft nahe gelegt wurde („als Kind stand ich schon mal auf dem Bolzplatz und habe gekickt“, ließ sie wissen).

Gesichtet wurde auch wieder Nürnbergs OB Maly, laut Müller-Hohenstein beliebtester Oberbürgermeister Deutschlands (offenbar ein letzter Fels in der gebeutelten SPD). Den angebotenen Silvaner aus Franken lehnte er ab („so etwas habe ich ohnehin vor Ort“), sondern widmete sich Riesling – und gestand dabei, dass er Zuhause im Keller ziemlich viel italienische Weine hat. Lang hielt sich auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth am WEINELF-Stand auf, verkostete einige gute Tropfen Wein und Sekt und verriet, dass schon Opa und Oma in der weinfernen Stadt Ulm täglich ein Viertele und eine Achtele tranken und die Enkelin damit auf den Geschmack brachten. Tim Weißbach von der Sektmanufaktur Strauch aus dem rheinhessischen Osthofen konnte sich offenbar über eine Neukundin freuen…

Rudolf Knoll

Fotostrecke:
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