WEINELF Deutschland: eine Idee macht Karriere!

Dr. Franz Josef Jung, Luigi Brunetti und Norbert Heine

Bereits fünf Länder haben Winzer-Teams aufgestellt. Das erste internationale Turnier fand Anfang Mai in der Toskana statt.

 

Von WEINELF-Präsident Norbert Heine

 

Mit toskanischen Winzern verbindet die WEINELF nach Besuch (Toskana) und Gegenbesuch (Rheingau) eine wachsende Freundschaft. Bei einem Fünf-Länder Turnier Anfang Mai in der Provinz Livorno, Italien, wurden jetzt drei weitere „Nationalmannschaften“ einbezogen.

Geladen hatte Luigi Brunetti, Winzer, Gastronom und Freizeitkicker, ein umtriebiger Mittfünfziger mit Herz, Leidenschaft und einem markanten Näschen für ausgefallenes Weinmarketing.

Mit seiner Familie betreibt er in Collemezzano bei Cecina das Agrihotel Elisabetta. Ein kulinarisch-vinologisches Mekka mit Geheimtipp-Status, angenehm etwas abseits der Touristenströme gelegen, und vielleicht deshalb von jener Authentizität, die der Toskana-Fan so gerne entdecken möchte.

Dazu tragen im Service seine charmante Frau Elisabetta und Sohn Natalino bei. Ausgestattet mit der lässigen Eleganz und unaufdringlichen Aufmerksamkeit, die den Serivce in italienischen Restaurants so angenehm und effektiv gestaltet.

Schwiegertochter Sandra lenkt im „Office“ die Buchungsgeschicke der Gäste liebenswürdig, mit österreichischer Professionalität und Unerschütterlichkeit, während ihr Mann Leonardo Brunetti in der Küche für das Wohl der Hausgäste sorgt.

Auch wenn seine Küche im bestem wie in feinem Sinne bodenständig ist, scheut er keine Herausforderung, und teilt den Herd auch schon mal mit besternten Kollegen, z.B. aus Deutschland, wenn Vater Luigi seinem Hobby frönt: kulinarischen Ländervergleichen.

Gute (Haus)Geister aus der Gegend und Oenologe Andrea Di Maio komplettieren die Mannschaft des Elisabetta als harmonisches Ensemble. Die Aufgabe von Di Maio ist überschaubar. Sechs Weine produziert Brunetti. Die Serie „Aulo“ (rot, weiß, rosé, ein Grappa sowie ein Olivenöl), dazu den Rosso Toscano Brunetti  aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Sangiovese sowie den kräftigen Le Marze Rosso IGT , aus Cabernet Sauvignon, Merlot und ein wenig Cabernet Franc, den er 18 Monate im Barrique reifen lässt.

Der Le Marze hat ein weißes Pendant, einen reinen Chardonnay mit sechs Monaten im Barrique. Filigraner präsentiert sich sein Vermentino, den er Temperatur kontrolliert im Stahl vergärt und ausbaut. Abgerundet wird die Pallette vom Spitzen-Grappa „Brunetti Grappa Riserva“.

Will man das Temperament der Brunettis austesten, kann man sie auf die Weinpreise in der Toskana (Sassicaia) oder die Öl-Qualität der Großkonzerne ansprechen.

Da versteht Sohn Leo schon mal die Welt nicht mehr, und kann die Preisdifferenz zwischen seinem Roten und dem des Flaggschiffs der Region beim besten Willen nicht erschmecken. Und Vater Luigi bekommt einen fanatischen Zug um die Lippen, wenn er sich über den Unterschied zwischen seiner Pressung der Oliven und der Fabrikations- und Etikettierungsgepflogenheiten der Masse-Produzenten ereifert

Dennoch hat er ein großes Herz, und berücksichtigt in seinem kulturellen Rahmenprogramm zum Fußballturnier der Weinerzeuger aus Italien, Österreich, Slowenien, Ungarn und Deutschland Kollegen mit Rang und Namen, ebenso wie den bescheiden agierenden Weinerzeuger von nebenan.

Und so gerät der Fußballtrip zur vinologischen Entdeckungsreise, mit Highlights wie der Tenuta di Biserno, wo Lodovico Antinori sich am Ziel seiner Winemaker-Träume angekommen sieht oder dem Weingut Petra bei Suvereto. Was hier von Architekt Mario Botta mit viel Sachverstand und reichlich Mitteln des Bauunternehmers Vittorio Moretti, in einen toskanischen Hang gefügt worden ist, hat mit landläufiger Winzerkellerromantik rein gar nichts mehr gemein. Das Bauwerk lässt selbst die in Deutschland so in Mode gekommenen ambitionierten Vinotheken-Projekte alt aussehen, wie die Zentrale einer Kreissparkasse.   

Hier ist eine Vision inszeniert worden, und eine oenologische Kathedrale entstanden, in der sich der Kellermeister als Hohepriester der Weinerzeugung verstehen darf.

Aber es geht auch eine Nummer kleiner, ohne dass man das Gefühl hätte, die reduzierte Dimension täte der Weinqualität Abbruch.

Im Gegenteil, was wir von den Betrieben Enrico Santini, Bolgheri, Leopoldo I di Toskana, Bibbona, Michele Satta, Castagneto Carducci, und Jacopo Alfeo, Bolgheri, angeboten bekamen, war alles andere als toskanischer Mainstream. Handwerklich gemachte Weine von absoluten Könnern, ausgestattet mit individuellem Typ und Charakter.

Denn das haben die Winzer am Rande der Toskana erkannt: die internationale Konkurrenz schläft nicht, und wenn die Region reüssieren will, heißt das, das Profil zu schärfen, die Qualität zu pflegen und bei der Preisgestaltung mit den Füssen auf dem Boden zu bleiben.

Aber Grandezza ist dennoch Pflicht, und ausgerechnet der kleinste besuchte Betrieb, die Azienda Vitivinicola in Bibbona überraschte nicht nur mit herzlicher Gastfreundschaft: die rüstige Großmutter ließ es sich nicht nehmen, alle Register ihrer Kochkunst zu ziehen und die Gäste qualitativ und quantitativ im Übermaß zu verwöhnen. Doch damit nicht genug, Antonio Calvo hatte gleich zwei livrierte Sommeliers engagiert, die weiß behandschuht mit vornehmer Ernsthaftigkeit die insgesamt vier (!) Weine die der Betrieb produziert, an die interessierte Klientel ausschenkten. Das hat was.

Pfunde mit denen sich wuchern lässt, gibt es allemal reichlich, und bei freundlichen Empfängen für die Kollegen Fußball-Winzer in den am Besuchsprogramm beteiligten Gemeinden Cecina, Bibbona, Castagneto, Riparbella und Rosignano, wurden Bürgermeister nebst Präfekten nicht müde auf ihr Bemühen hinzuweisen, durch Pflege des kulturellen (etruskischen) Erbes die Attraktivität ihrer Gemeinden stetig den wachsenden Ansprüchen eines internationalen Publikums anzupassen.

Ein wenig hilft dabei die EU, aber die Mittel scheinen durchaus gut angelegt.

Ach ja, Fußball wurde auch gespielt, in der Toskana, aber es ist eine schmerzliche Chronistenpflicht darüber zu berichten. Stark ersatzgeschwächt ließ die Weinelf auf dem Rasen den Kollegen aus Ungarn, Italien und Österreich den Vortritt.

Im heiß umkämpften Endspiel obsiegte Gastgeber Italien gegen ein starkes slowenisches Team. Höhepunkte aber waren  jeweils die dritten Halbzeiten in denen sich die beteiligten Nationen mit Weinen und Heimatküche auf italienischem Boden präsentieren durften. Eine großzügige souveräne Geste der Gastgeber, und ein Beispiel an dem sich die Magyaren im Jahr 2011 messen lassen möchten. 

Das Team hat die Ausrichtung des Turniers im nächsten Jahr in Ungarn übernommen.